Theater Tonno

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„Wenn keiner mehr kommt“

Ich steige in den Bus. Jeden Montag um 15.09h, Haltestelle Hiltrup Schulzentrum. Thomas wartet schon, Adrian und Jan aus Drensteinfurt steigen noch zu. Wir fahren nach Coerde, Begegnungszentrum Meerwiese. Dort spielen wir schon seit einiger Zeit zusammen Theater. Seit März arbeiten wir an einer Produktion. „Wenn keiner mehr kommt“. Im Juli soll Premiere sein!
Janina, unsere Regisseurin ist schon da, als wir ankommen. Sie arbeitet mit uns seit Januar diesen Jahres. Jonas aus Coerde kommt dazu...es kann los gehen!
Wir wärmen uns auf. Wir arbeiten am Stück; Rollenfindung, Impro. Unsere Rollen haben wir schon aufgeteilt. Wie verhalten sich die Personen in entsprechender Situation? Übungen, Versuche, wir nähern uns unserer Rolle. Es ist spannend. Den Text haben wir bereits gemeinsam gelesen, aber noch nicht mit ihm gearbeitet.
Alle sind von dem Stück begeistert. Unsere Vorstellung war, irgendwas mit Jugend, Gewalt, Unterschiede zu machen. Dieses Stück, angelehnt an den „Klassen Feind“ von „Nigel Williams“, ist da genau das Richtige für uns. Thema ist Jugend, Gewalt, Sehnsüchte, „Schubladendenken“, ...das hatten wir uns vorgestellt!

Im Stück geht es um eine 10. Klasse. Fünf Schüler warten in ihrem Klassenzimmer auf einen neuen Lehrer. Alle Lehrer, die bisher unterrichtet haben oder unterrichten sollen, sind nicht mehr bereit, in diese Klasse zu gehen – die fünf gelten als undiszipliniert und verhaltens- gestört. Niemand kommt. Die Gruppe beschließt während des Wartens selbst „Lehrer“ zu spielen. Jeder hält eine Stunde bis sie feststellen, dass man sie endgültig aufgegeben hat...

Alle Rollen sind verschieden. Das macht das Stück gerade so interessant. Der eine der Obermacker, der andere der Vernünftige, dann der Halbschwule, der Neonazi und der Türke. Die Unterschiede werden im Stück zum Thema gemacht. Wir können unsere eigenen Erfahrungen einfließen lassen. Wir sind ja selber noch junge Kerle und sind Tag für Tag mit den Konflikten zwischen den verschiedenen Subgruppen der Jugendkultur konfrontiert. Wer kennt nicht die Typen, die sich nur unter Gleichgesinnten aufhalten. Wenn ich durch meine Schule laufe, durch andere Schulen laufe, überall finden sich Gruppen: Hip-Hopper, Gabbas, Alternative, Punks, die „Geschliffenen“, ..., treffen sie aufeinander kann es schwierig werden. In unserm Stück, wird diese Erfahrung in Szene gesetzt.
Auf dem Rückweg sitzen wir im Bus und suchen uns unter den Mitfahrenden Vorbilder für unsere Rollen aus. Einen findet man fast immer. Ein guter Zeitvertreib und sicher eine Arbeit an der Rolle.

Irgendwann haben wir dann den Text dazu genommen. Jetzt ging es konkret an jede einzelne Szene. Eigentlich gibt es kaum ein Problem mit dem Textlernen. Bei den Proben lernt man ihn sehr gut, wenn man sich vorher etwas mit ihm auseinandergesetzt hat. Jetzt bekam unsere Rolle auch noch Sprache.

Welche Musik? Vielleicht ein Lied singen? Erzürnt oder eher bedauernd? Hastig oder gefasst? Aus der Rolle gehen und als Gorilla durch die Gegend springen? Könnte man sich nicht über den Bauch streichen und sich die Oberlippe lecken, wenn zum ersten mal das Wort „Döner“ im Stück vorkommt?
Janina hatte viele gute Ideen. Unsere Ideen hat Janina auch ernst genommen und versucht sie zu integrieren. Das hat mich sehr motiviert und mir die nötige Energie gegeben. Keiner saß daneben und ließ die anderen machen. Wir waren eine Gruppe und hatten zusammen was vor. Wir wollten gemeinsam ein Stück auf die Beine kriegen. Der Ehrgeiz war da. Fünf Jungs waren da. Eine super Regisseurin war da, die mit ganz viel Spaß und Energie arbeitete und die nichts ohne unser Einverständnis entschied.
Martin Kirberg hatte uns schon ein sehr eindrucksvolles Bühnenbild gemacht und Thomas Hassels kümmerte sich um das Licht. Das Stück entwickelte sich, es nahm Gestalt an.

Spaß am Stück hatten wir auch deshalb, weil es dazu gehörte, mit den übelsten Schimpfwörtern um uns zu werfen, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben oder das Gefühl zu haben, unseren guten Manieren nicht gerecht zu werden. Es ist eben ein Jugendstück!
In „Wenn keiner mehr kommt“ sprechen wir Jugendslang, wie jeder Jugendliche ihn in seiner Umgebung sicher schon gehört hat. Mit „Schlaufotze“ fängt´s an und so geht´s dann weiter.
Ich (ich habe Angel, den Halbschwulen gespielt) gebe z.B. meine Unterrichtsstunde über Sex. Da heißt es dann: „Sex ist Bräute aufreißen, Fotzen sammeln!“ Angel hat keine Ahnung davon, er spielt sich auf.

Das Allerschönste waren dann natürlich die Aufführungen. Nach Probenwochenenden und vielen Montagen war es dann am 6. Juli so weit. Premiere!!!
Wir sitzen wieder im Bus. In 1 ½ Stunden soll die Premiere sein. Wir reden, wir gucken in den Text! „Hoffentlich vergess’ ich den Satz nicht!“, „Wie viele Leute kommen wohl?“. Wir sind aufgeregt.
Angekommen gehen wir in die Umkleide. Umziehen, schminken, die Haare gelen...und warten. Gleich spielen wir vor Publikum. Es sollen 80-90 Zuschauer kommen, erfahren wir. Nachdem wir uns noch ein wenig aufwärmen, gehen wir in Position, die Zuschauer betreten den Saal.

Die Aufführungen waren super, jede einzelne. 2 im Juli und noch zwei nach den Sommerferien im Herbst. Alle hatten Energie und kaum Texthänger.
Das Schönste war, wenn wir dann am Ende des Stückes hinter die Bühne verschwanden, uns mit schwitzenden Gesichtern angestrahlt haben und zur Verbeugung nach vorne gerannt kamen. Das Publikum klatschte, wir fühlten uns gut!

Dass das alles so gut geklappt hat, liegt wahrscheinlich daran, dass uns allen ein gutes Gelingen sehr wichtig war und dass wir einfach super miteinander ausgekommen sind. Wir sind ein richtig gutes Team. Ich glaube, das hat man auch bei den Aufführungen gemerkt. Wir hätten nie so viel Energie rüber bringen können, wäre da nicht der starke Gemeinschaftsgeist gewesen.

Für mich war „Wenn keiner mehr kommt“ eine super Erfahrung. Es hat mir sehr viel Aufschwung gegeben und mein Interesse am Theater vertieft. Ich werde dabei bleiben!

Und nächsten Montag steige ich wieder in den Bus. Thomas, Adrian, Jan, Joost und Tobi sitzen neben mir. Ja, wir haben zwei Neue auf der Fahrt nach Coerde. Da ist wohl wieder was im Gange!













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